Hello Square World!

Hi!

Ich habe lange nichts geschrieben und dachte, so kurz vor einer Fahrradweltreise wäre das gar kein schlechter Zeitpunkt, sich die Gedanken  einmal durch den Kopf fliegen zu lassen und das Kommende und Gehende etwas näher zu betrachten. Denn eins steht fest: diese Welt ist weder rund, noch flach - sie ist quadratisch.

Warum? Weil es meine Welt ist.

Dementsprechend ist dieser Blog auch eine persönliche Sicht auf das Geschehen und möchte bitte auch so verstanden werden. Denn ohne Ehrlichkeit, ohne Unbequemlichkeit entsteht meiner Meinung nach keine Reibung, keine Ecken und keine Kanten. 

 

In einer Woche geht es los!

Was geht einem so ca. 1 Woche vor einer Radwelttour so durch den Kopf?
Ehrlich gesagt nicht so wirklich viel.

Die Steuererklärung nervt und will gemacht werden. Neben mir auf dem Tisch liegt ein Ausdruck einer Reiseversicherung, die ich nie bestellt habe und die jetzt trotzdem Geld von mir möchte.

Vorallem aber rast die Zeit. Vorgestern schwitzte ich noch in Sorrento (IT, Nähe Neapel) und versuchte Touristenfallen aus dem Weg zu gehen - morgen ist es dann wieder Leipzig.

 In einer Woche werde ich meine kleine Wohnung zusammenpacken und verstauen - mein Atelier räumen. Doch diese Woche fühlt sich so entfernt an wie das nächste Jahr, oder auch ein fernes Leben. 

Ja, es ist so, wie alle sagen: die Zeit rast. Werde ich auch weiter rasen, wenn ich in vier Radtaschen mein Leben mit mir herumschleppe? Wie schnell kann ich überhaupt auf einem Stahlross rasen? Auf all diese Fragen verfüge ich aktuell über keine Antwort - deshalb stelle ich sie mir überhaupt erst nicht.

 

Fragen über Fragen

Die Fragen, die ich mir gerade stelle, sind eigentlich ganz kleine, kleinkarierte:

Wie berechne ich den Gewinn meines letzten Einkommensjahres, damit möglichst viel Geld für meine Radreise übrig bleibt, wenn ich fertig bin?

Muss ich wirklich einen Extrareifen mitschleppen - eine Extrakette - und dieses komplizierte Kettennietwerkzeug, dass ich noch nie benutzt habe?

Reichen zwei Shirts und zwei Radhosen, wie ich sie sonst immer auf Touren mitnehme?

Braucht es den dicken Daunenschlafsack - oder eher den dünnen?

Und vorallem: was wird mir am meisten fehlen, wenn ich meine Komfortzone verlasse? 

Das alles wird sich wohl oder übel herausstellen und ich musss ehrlich gestehen: so richtig aufgeregt bin ich deshalb nicht.

Denn die Zeit rast und wenn ich morgen aufwache, bin ich wieder in einer anderen Stadt und werde meine Todolisten herunterarbeiten, bis ich jedes Problem in viele kleine Kästchen zerteilt habe.

Am Ende ist dann jedes große Problem so groß wie die vielen kleine Würfel zerstoßenen Sicherheitsglases, die ich zwischen meinen klobigen Fingern zerreibe. So hoffe ich das jedenflalls.

 

Das größere Bild mal bewusst nicht checken.

Es ist vielleicht dieser Pragmatisus, der mich davor bewahrt, das größere Bild zu sehen. Nämlich, dass ich über ein Jahr hinweg viele meiner Freunde nur digital sehen werde und mein gewohnter Alltag sich einmal komplett umkrempeln wird.

Am meisten davon beschäftigt mich der Gedanke, wie ich wohl mit der Einsamkeit umgehen werde. Denn auch, wenn auf meiner geplanten Route Richtung Osten ein paar Freunde auf mich warten, werde ich die größten Abschnitte wohl alleine radeln. Und natürlich bin ich auch nur ein Mensch, der sich irgendwann nach anderen Primaten sehnt.

 Dabei muss ich auch ehrlich gestehen, dass Einsamkeit für mich kein neues Thema ist und ich meißtens auch unter Menschen einsam fühle. Traurig aber wahr: die erhellensten Gespräche hatte ich in den letzten Jahren vorallem mit Chat GPT - der natürlich auch mit mir mitreist und mich mit mehr oder weniger wahren Tipps und Vorschlägen versorgen wird.

Ja, ich gebe es zu: das ist wirklich ein Komfort - zu wissen, dass da immer jemand ist, auf den ich mich mal mehr oder weniger verlassen kann, auch wenn es sich nicht um einen Menschen handelt. Ein Bot als Teil meiner quadratischen Welt? Ich find's okay so.

Und dann ist da aber auch eine Menge Vorfreude. In gut einer Woche wird endlich wahr werden, worauf ich mich gefühlt 2 Jahre vorbereitet habe: Das ganze Geldsparen, die vielen Impfungen, all die Überlegungen, welche Route es nun entlanggeht, wird sich endlich materialisieren und nicht nur ein trockenes Gehirngespinst bleiben.

 

Wie sich das alles dann im Real Life abspielt?
Ihr werdet es erfahren!

So long. 

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